Drachen steigen lassen und selbst basteln
Von Steven Schulz · · 5 Min. Lesezeit
Wo, bei welchem Wind und wie der Start gelingt – dazu eine einfache Anleitung, mit der ihr einen Drachen selbst bastelt. Plus die wichtigsten Sicherheitsregeln.
Ein bunter Drachen, der hoch über der Wiese tanzt, an einer Schnur, die man selbst in der Hand hält – das gehört für viele zu den schönsten Herbsterinnerungen. Drachen steigen lassen ist einfach, wenn ein paar Dinge stimmen: der Ort, der Wind und die Technik beim Start. Und wer seinen Drachen selbst baut, ist doppelt stolz, wenn er abhebt.
Der richtige Ort
Ein Drachen braucht Platz – vor allem in Windrichtung. Gut geeignet sind große, freie Wiesen ohne Bäume, Masten und Gebäude in der Nähe. Hindernisse verwirbeln den Wind und fangen Drachen gern ein.
Diese Orte sind tabu:
- in der Nähe von Stromleitungen, Oberleitungen der Bahn und Funkmasten
- an Straßen und Bahnlinien, denn ein abstürzender Drachen kann Fahrer erschrecken
- in der Nähe von Flughäfen und Flugplätzen, dort gelten besondere Regeln für alles, was in die Luft steigt
- auf Feldern mit Saat oder Ernte, die gehören den Landwirten
- auf vollen Spielplätzen und Liegewiesen mit vielen Menschen
Ob es an eurem Ort besondere Vorgaben gibt, etwa in Naturschutzgebieten oder Parks, kann je nach Gemeinde verschieden sein. Schilder vor Ort helfen weiter. Ein großer, freier Bolzplatz, auf dem gerade niemand spielt, kann eine gute Alternative sein.
Das richtige Wetter
Der beste Drachenwind ist gleichmäßig und mäßig. Ein guter Hinweis: Blätter und kleine Zweige bewegen sich, Fahnen flattern, aber große Äste schwanken nicht. Bei zu wenig Wind fällt der Drachen immer wieder herunter, bei zu viel Wind zerrt er so stark, dass Kinder ihn nicht mehr halten können.
Bei Gewitter wird nie ein Drachen gestartet – die Leine kann zum Blitzableiter werden. Auch bei nasser Leine und aufziehenden dunklen Wolken: einholen und nach Hause.
Drachen steigen lassen: So klappt der Start
Für Kinder ist der Start zu zweit am einfachsten:
- Mit dem Rücken zum Wind stellen. Der Wind kommt von hinten.
- Eine Person hält den Drachen, etwa zehn bis zwanzig Schritte entfernt, mit der Nase nach oben.
- Die Leine leicht spannen. Der Drachen wird bei einer Böe losgelassen, nicht geworfen.
- Langsam Leine geben, sobald der Drachen steigt. Zieht er nicht mehr nach oben, kurz an der Leine ziehen oder ein paar Schritte rückwärts gehen.
- Beim Einholen die Leine gleichmäßig aufwickeln, am besten auf einen Griff oder ein Stück Holz.
Kleine Kinder halten die Leine am besten gemeinsam mit einem Erwachsenen. Die Leine wird nie um Finger oder Handgelenk gewickelt. Bei größeren Drachen schützen Handschuhe vor Reibung.
Drachen basteln: ein einfacher Rautendrachen
Der klassische Drachen in Rautenform ist gut nachzubauen. Ihr braucht:
- zwei leichte Holzstäbe oder Bambusstäbe, einer etwas länger als der andere
- Drachenfolie, eine reißfeste Plastikfolie oder kräftiges Papier
- kräftige Schnur, Klebeband, eine Schere
- Krepppapier oder Stoffstreifen für den Schwanz
- eine Drachenleine mit Griff
So geht es:
- Das Kreuz bauen: Den kürzeren Stab quer auf den längeren legen, etwa im oberen Drittel, und mit Schnur über Kreuz festbinden.
- Den Rahmen spannen: Eine Schnur rund um die vier Stabenden führen, sodass eine Raute entsteht. Die Enden kerbt ein Erwachsener vorher leicht ein, damit die Schnur hält.
- Bespannen: Den Rahmen auf die Folie oder das Papier legen, mit einigen Zentimetern Rand ausschneiden, den Rand um die Schnur schlagen und festkleben.
- Die Waage anbringen: Eine Schnur oben und unten am Längsstab befestigen, etwas locker. An diese Schnur kommt etwa im oberen Drittel die Drachenleine. Der Punkt lässt sich beim ersten Ausprobieren noch verschieben.
- Den Schwanz anhängen: Ein langer Schwanz am unteren Ende macht den Drachen ruhiger. Dreht er sich im Kreis, hilft oft ein längerer Schwanz.
Jetzt dürfen die Kinder ihn bemalen – mit wasserfesten Stiften auf Folie oder mit Farbe auf Papier. Papierdrachen sind schnell gebaut, vertragen aber keinen Regen.
Noch einfacher: Tütendrachen für die Kleinen
Für Kinder im Kindergartenalter reicht oft ein Tütendrachen: Eine Papier- oder Plastiktüte bekommt an den Griffen eine kurze Schnur, unten ein paar Kreppbänder. Beim Laufen bläht sich die Tüte auf und fliegt hinterher. Das ist kein Drachen, der hoch steigt, macht aber genauso glücklich. Die Schnur bleibt kurz, und Plastiktüten gehören nie über Kopf oder Gesicht.
Sicherheit beim Drachensteigen
| Regel | Warum |
|---|---|
| Abstand zu Leitungen, Straßen und Bahnlinien | Stromschlag- und Unfallgefahr |
| Nie bei Gewitter | Die Leine kann Strom leiten |
| Leine nicht um die Hand wickeln | Verletzungsgefahr bei Böen |
| Abstand zu anderen Menschen | Abstürzende Drachen und straffe Leinen |
| Hängengebliebene Drachen nicht selbst holen | Nie an Leitungen oder hohe Bäume klettern |
Hängt ein Drachen in einer Stromleitung, wird er nicht angefasst und nicht an der Leine gezogen. In diesem Fall informierst du den zuständigen Netzbetreiber, und bei Gefahr wählst du die 112.
Den passenden Ort finden
Gute Drachenwiesen liegen oft am Rand von Parks, auf großen Freiflächen am Stadtrand oder an Hügeln mit freier Sicht. Auf unserer Spielplatzkarte findest du Spielplätze in deiner Nähe – viele liegen in Parks mit großen Wiesen. Du kannst auch nach Bundesland suchen, etwa in Schleswig-Holstein oder Niedersachsen. Wenn der Wind gerade nicht mitspielt, findest du in Spiele für draußen Ideen ganz ohne Drachen – und in unseren Herbstferien-Ideen noch mehr für die freien Tage.